Samstag, 11. Juli 2015

Jah9 in München - Das Review vom 10.07.15

Jah9 ist eine der spannendsten Stimmen, die der jamaikanische Reggae aktuell zu bieten hat.
Gesten hat Janine Cunningham im PL1-Club ihr Debüt im beschaulichen München gegeben.
Ich bin natürlich hin, (Roots gehen immer), hier meine Eindrücke.
Als ich um 21:30Uhr am Optimolwerk eintreffe hat sich eine kleine feine Massive von 100 Menschen vor dem PL1 Club verteilt.

Normalerweise ist der Club nicht die Anlaufstelle, wenn es um Reggae Musik geht, der Ostbahnhof gilt doch eher als Rave-Location für Liebhaber von Electro.
An diesem Abend ist trotzdem ein großer Teil der Szene am Start. Bekannte Gesichter aus der Soundsystem-Szene, aber auch viele, die sich die Queen des Neo Roots Reggae nicht entgehen lassen wollen.

Bis Jah9 nach Mitternacht erscheint spielen die Sounds ihre Sets, aber so richtig will keiner rein in den Club. Die Menschen stehen lieber draußen, reden, rauchen, trinken Bier. Klar, alle wollen Roots, "shaken" ist nicht so relevant. 

Namaste and Rastafari - Jah9 in München 
Der Riders Sound aus München schafft es dann doch Bewegung in die Besucher zu bekommen und nach einer kurzweiligen Selection ist es so weit. Jah9 betritt die Bühne.

Begleitet von einem Keyboard, Percussion und Melodica, begrüßt Jah9 die Massive, und stellt gleich klar, dass heute kein Entertainment zählt, sondern die Vibes. Dieses Versprechen wird nicht gebrochen.

Die Performance ist überragend, ihre Stimme dringt in jeden Besucher und verbreitet ein positives Gefühl bei allen. Die Begleitung erinnert mich schwer an einen Jazz-Jam, Jah9 sitzt auf einem Barhocker und nimmt uns mit auf einer Reise durch Jamaika.

Was ihre Performance so beeindruckend macht ist ihre Ausstrahlung, nicht viele Künstler schaffen es ihre Botschaft so herüberzubringen, wie Jah9. Keine überzogenen Klischees, alles passt zusammen.
Auch wenn die Location sehr steril wirkt schafft Jah9 es, eine familiäres Gefühl zu schaffen, in dem sich jeder wohl fühlt. Sie strahlt über die Massive die gekommen ist sie zu hören und es macht ihr sichtlich Spaß mit uns und behält dabei immer einen Schalk im Nacken.

Ihre Songs Avocado und Steamers a Bubble animieren zum tanzen, sonst lauschen alle schwingend dem Klang der Musik, die der Selbstbeschreibung "Jazz in Dub" voll entspricht. Ihre Songs untermalt sie selbst mit verschiedenen Instrumenten, wie einer Dose, die beim schütteln einen dem Donner ähnlichen Sound von sich gibt.

Jah9 teilt nicht nur ihre Musik mit uns, sondern auch ihre Philosophie, die mich tief beeindruckt hat.
Ihre Botschaft lautet, höre auf dich selbst und lass dich nicht von all dem Lärm um dich herum ablenken. Das ist Roots in seiner reinsten Form!
Auch nimmt sie kein Blatt vor den Mund, wenn sie sagt, dass sie nicht versteht, wie Europa den afrikanischen Kontinent ausnimmt. Das ist ein Statement, keine Babylon-Metapher, andere drücken sich um so ein Statement, das unterscheidet Roots von Neo Roots.

Am Ende der Performance leitet die Rasta Yogi noch eine Atemübung an und entlässt uns mit den Worten: Namaste and Rastafari in die Nacht. Andere hätten sich eine Zugabe rausbetteln lassen, das ist so untypisch für die Szene, wie der ganze Auftritt, der einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Als nach dem Auftritt das Soundsystem wieder übernimmt merke ich wie ich mich, getragen von der Stimmung, lieber nach draußen verziehe. Viele tun es mir gleich, sie wollen sich diese Stimmung nicht durch den schnellen Wechsel von Tune zu Tune nehmen lassen. 

Noch nie war ich so entspannt nach einem Konzert wie bei Jah9, die positiven Vibrationen schwingen weiter.
Ich hoffe sie bald wieder in Deutschland zu sehen, von ihr werden wir noch einiges hören.